{"id":1062,"date":"2000-11-10T17:39:54","date_gmt":"2000-11-10T16:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/emo-bil.de\/?p=1062"},"modified":"2000-11-10T17:39:54","modified_gmt":"2000-11-10T16:39:54","slug":"navigationssysteme-bald-mittels-sprache-gesteuert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=1062","title":{"rendered":"Navigationssysteme bald mittels Sprache gesteuert"},"content":{"rendered":"<p>Wo vor wenigen Jahren noch ein simples Autoradio platziert war, sind inzwischen Mobiltelefone und Navigationssysteme fast schon Standard. Die Multimediafahrzeuge haben aber auch Nachteile: So hat die amerikanische Verkehrssicherheitsbeh\u00f6rde festgestellt, dass 20 bis 30 % der Autounf\u00e4lle von abgelenkten Autofahrern verursacht werden. Manuell zu bedienende Ger\u00e4te im Auto als Sicherheitsrisiko. Eine L\u00f6sung k\u00f6nnen Sprachbediensysteme sein.<\/p>\n<p>Spracherkennung boomt<\/p>\n<p>In naher Zukunft werden neue Entwicklungen deutlich komplexere Spracherkennungssysteme als heute erm\u00f6glichen. Der Entwicklungsaufwand f\u00fcr diesen neuen Markt lohnt sich: Nach einer Studie wird allein die Temic (Telefunken microelectronics) in diesem Jahr etwa 270.000 Systeme integrieren, nach knapp 180.000 im letzten Jahr und etwa 60.000 im Jahre 1999.<\/p>\n<p>Zuschlagen der T\u00fcr ist Kommando<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Sprachverarbeitungssystemen im B\u00fcro herrschen im Fahrzeug andere technische Randbedingungen: der relativ hohe Ger\u00e4uschpegel und der gro\u00dfe Abstand zum Mikrofon erschweren die Bedienung. So interpretiert die Spracherkennung m\u00f6glicherweise ein Zuschlagen der T\u00fcr als Worteingabe. Ein wichtiges Element ist deshalb die Erkennsicherheit, die derzeit bei etwa 90 % liegt. Dies ergab ein Test bei DaimlerChrysler mit 800 Personen, die bei allt\u00e4glichen Autofahrten ein Sprachbediensystem steuerten.<\/p>\n<p>Erkennungsrate relativ gering<\/p>\n<p>Alle Spracherkennungsanbieter arbeiten an einer besseren Erkennungsrate und einer Vergr\u00f6\u00dferung des Vokabulars. Heute \u00fcbliche Sprachsteuerungen sind Ziffernwahl, Namenswahl, Mailbox-Steuerung, Memo-Recorder oder Kommandos f\u00fcr Radio, CD-Wechsler oder Kassette. &#8222;Im Vergleich zu Diktiersystemen sind derzeit im Fahrzeug nur relativ kleine Wortsch\u00e4tze realisierbar, denn St\u00f6rger\u00e4usche behindern die Erkennungsrate. Zudem beschr\u00e4nken die relativ hohen Kosten f\u00fcr Speicherplatz und Rechenleistung das Einsatzpotenzial &#8222;, erkl\u00e4rt Gerhard N\u00fc\u00dfle, Entwicklungsleiter f\u00fcr Sprachverarbeitung bei der Temic.<\/p>\n<p>Vorbildliche Sprachsteuerung bei der Bahn<\/p>\n<p>Wie gut eine &#8222;ger\u00e4uscharme&#8220; Spracherkennung sein kann, zeigt die Zugauskunft bei der Deutschen Bahn, die \u00fcber einen Server im \u00f6ffentlichen Telefonnetz verf\u00fcgbar ist. Seit zwei Jahren in Betrieb verzeichnet man mittlerweile mehr als 100.000 Anrufe im Monat. Das vorhandene Vokabular von 6000 Bahnh\u00f6fen entspricht dabei etwa 10.000 Phrasen. Das servergest\u00fctzte System k\u00f6nnte als Vorbild f\u00fcr die sprachgesteuerte Navigation dienen.<\/p>\n<p>Von den Lippen lesen &#8230;<\/p>\n<p>Der Computer hat enorme Probleme bei \u00e4hnlich klingenden W\u00f6rtern: Gasse, Kasse; Pfarrer, Fahrer. Um diese Erkennungsprobleme abzustellen, versucht man die Wortbedeutungen im logischen Zusammenhang zu erschlie\u00dfen. Das MIT (Massachusetts Institute of Technology) erg\u00e4nzt dieses Verfahren mit einem optischen System, dass aus den Lippenbewegungen W\u00f6rter ableiten kann. Die Wissenschaftler gehen f\u00fcr die englische Sprache von 16 Lippenstellungen aus. Eine Videokamera nimmt die Lippenbewegungen auf und vergleicht sie mit hinterlegten Mustern. Kombiniert mit der akustischen Erkennung erhofft man sich eine deutlich verbesserte Erkennungsrate. In der Praxis hat diese Methode aber den Nachteil, dass der Autofahrer st\u00e4ndig Richtung Kamera sprechen muss.<\/p>\n<p>50000 Ortsnamen in Deutschland<\/p>\n<p>Das US-Unternehmen Navtech Technologies Corp. erwartet, dass bis 2005 die Mehrheit aller Fahrzeuge mit Onboard-Navigationssystemen sprachgesteuert sein wird. NavTech liefert nach eigenen Angaben Karten mit h\u00f6chster Genauigkeit, Tiefe und Zuverl\u00e4ssigkeit. Auf dieser Grundlage m\u00fcssen Navigationssysteme eine hohe Zahl von Vokabeln f\u00fcr die Zieleingabe erm\u00f6glichen. Allein in Deutschland gilt es etwa 50.000 Ortsnamen zu erfassen, dazu stehen zum Beispiel in Berlin 9000 Stra\u00dfennamen zur Auswahl. Sprachverarbeitungsexperte Gerhard N\u00fc\u00dfle: &#8222;Diese Datenmengen k\u00f6nnen derzeit noch nicht zufriedenstellend verarbeitet werden&#8220;. Doch schon im n\u00e4chsten Jahr sollen die ersten Sprach-Navigationssysteme am Markt verf\u00fcgbar sein, die dann \u00fcber beispielsweise Postleitzahlen, Gro\u00dfraumbereiche oder Buchstaben steuerbar sind.<\/p>\n<p>In 800 St\u00e4dten liegen 90 % der Ziele<\/p>\n<p>Heutzutage ist die interne Verarbeitung des aktiven Vokabulars auf etwa zwei- bis dreitausend W\u00f6rter beschr\u00e4nkt. Deshalb muss die Eingabe der Navigationsziele in einem simplen Dialog erfolgen. Um eine kleinere Vokabelmenge zu erreichen, nutzen die Wissenschaftler die Tatsache, dass in den 800 gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten fast drei Viertel der Bev\u00f6lkerung wohnen. Da die Navigationssysteme meist gesch\u00e4ftlich genutzt werden, entspricht dies wahrscheinlich \u00fcber 90 % der m\u00f6glichen Ziele.<\/p>\n<p>Kombinierte System weisen den Weg<\/p>\n<p>Die ComROAD AG, Spezialist f\u00fcr Telematik-Netzwerke, und CONVERSAY, f\u00fchrend bei Sprachtechnologie f\u00fcr mobile und internetbasierte Einheiten, haben die Software &#8222;Voicecom&#8220; in einen Server integriert. Die Technologie-Allianz soll den sprachgesteuerten Zugriff auf das riesige Angebot an Telematik-Diensten erm\u00f6glichen, das heute \u00fcber das ComRoad-GTTS (Global Transport Telematic System) verf\u00fcgbar sind. Schon auf der CeBIT pr\u00e4sentierte man einen Chrysler PT Cruiser, in dem Verkehrsinformationen, Wetter, Finanzdaten oder Sportnachrichten erstmals \u00fcber Sprachsteuerung abgerufen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Portale werten die Kommandos aus<\/p>\n<p>Um die Schw\u00e4chen der Systeme auszugleichen, m\u00fcssen die Sprachkommandos schon im Fahrzeug bearbeitet werden. Relativ aufw\u00e4ndige Verfahren zur akustischen Vorverarbeitung sollen die Verluste im Sprachsignal auffangen. \u00dcber einen Server, der beispielsweise im neuen Portal von Mercedes-Benz oder BMW steht, erfolgt dann die Auswertung. Die \u00dcbertragung dorthin erfolgt nicht mehr als Sprache, sondern als komprimierte Datei mit einer \u00dcbertragungsrate von weniger als 4800 Bit pro Sekunde.<\/p>\n<p>VW entwickelt in VODIS<\/p>\n<p>Ein sprachgest\u00fctztes Assistenzsystem entwickelt Volkswagen mit &#8222;VODIS&#8220; (Voice Operated Driver Information System). Ziel des VODIS-Projektes ist die Spracherkennung f\u00fcr die aktive Sicherheit zu nutzen. Der Autofahrer soll den Blick auf der Stra\u00dfe und die H\u00e4nde am Lenkrad behalten und dennoch alle Informations- und Unterhaltungssysteme bet\u00e4tigen k\u00f6nnen. Um VODIS in vollem Umfang nutzen zu k\u00f6nnen, muss der Fahrer insgesamt 44 festgelegte Kommandoworte zur Spracheingabe beherrschen.<\/p>\n<p>Philips hat Superchip parat<\/p>\n<p>&#8222;Die eigentlichen Herausforderungen f\u00fcr die Sprachsteuerung und -erkennung liegt in n\u00e4chsten Jahre in der Steuerung der Navigation&#8220;, erkl\u00e4rt Gerhard N\u00fc\u00dfle. Dies beginnt bei der Hardware. So pr\u00e4sentiert Philips den neuen Spracherkennungschip &#8222;Hello IC&#8220;. Nach Angaben des Unternehmens soll dies der weltweit innovativste und kosteng\u00fcnstigste Spracherkennungschip f\u00fcr Befehls- und Steueranwendungen sein. Er kann bis zu 100 W\u00f6rter interpretieren, 50 W\u00f6rter k\u00f6nnen gleichzeitig aktiv sein. Auf dem Chip gespeichert ist die Spracherkennungssoftware &#8222;VoCon&#8220; und eine Rauschunterdr\u00fcckungs-Software, die somit keinen externen Speicher ben\u00f6tigen. Damit hat Philips einen Chip f\u00fcr vielf\u00e4ltigen Einsatz entwickelt: f\u00fcr den Freisprechbetrieb von Autoradio, Handy oder Klimaanlage. Ende n\u00e4chsten Jahres soll die gro\u00dffl\u00e4chige Einf\u00fchrung stattfinden. In Verbindung mit leistungsf\u00e4higen Prozessoren ist auch der Einsatz in Navigationssystemen geplant.<\/p>\n<p>Standard ist dringend erforderlich<\/p>\n<p>Die dynamische Entwicklung im Internet und bei Mobilfunksystemen forcieren den Einzug netzwerkbasierter Dienste im Fahrzeug. Denn der Autofahrer will k\u00fcnftig w\u00e4hrend der Fahrt verschiedene Voice Portale auf einem Server verf\u00fcgen. Ingenieure entwickeln mit Hochdruck unterschiedliche Systeme. Doch schon w\u00e4hrend der Entwicklung tauchen neue Probleme auf. Bei Markteinf\u00fchrung werden die Systeme einen sehr viel k\u00fcrzeren Lebenszyklus haben als das Fahrzeug. Sprachverarbeitungsexperte N\u00fc\u00dfle: &#8222;Eine Standardisierung der Schnittstellen zu diesen Diensten ist deshalb dringend erforderlich&#8220;. Sonst sind die neuen Dienste nicht realisierbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo vor wenigen Jahren noch ein simples Autoradio platziert war, sind inzwischen Mobiltelefone und Navigationssysteme fast schon Standard. Die Multimediafahrzeuge haben aber auch Nachteile: So hat die amerikanische Verkehrssicherheitsbeh\u00f6rde festgestellt, dass 20 bis 30 % der Autounf\u00e4lle von abgelenkten Autofahrern verursacht werden. Manuell zu bedienende Ger\u00e4te im Auto als Sicherheitsrisiko. Eine L\u00f6sung k\u00f6nnen Sprachbediensysteme sein. 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