{"id":2941,"date":"2019-01-09T11:23:11","date_gmt":"2019-01-09T10:23:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=2941"},"modified":"2024-03-30T06:26:20","modified_gmt":"2024-03-30T06:26:20","slug":"blockierte-reimporte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=2941","title":{"rendered":"Blockierte Reimporte?"},"content":{"rendered":"\n<p>9.1.2018 &#8211; Droht die Wiederholung eines Skandals? Schon Anfang der neunziger Jahre waren Autos aufgrund der schwachen Lira in Italien um rund ein Drittel billiger. Also reimportierten K\u00e4ufer so viele Neuwagen, dass der Absatz in Italien sp\u00fcrbar sank. VW griff zu drastischen Ma\u00dfnahmen: geringere Kontingente wurden an italienische Vertragsh\u00e4ndler geliefert, Verkaufspr\u00e4mien erhielten sie nur, wenn die Autos in Italien zugelassen wurden. Es folgte ein Bu\u00dfgeld von 90 Millionen Euro wegen Versto\u00dfes gegen das Wettbewerbsrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit berichten K\u00e4ufer vermehrt von \u00e4hnlichen F\u00e4llen. Hintergrund sind die beliebten Re- oder Grauimporte, die unterschiedliche Steuers\u00e4tze und Verkaufspreise f\u00fcr ein und dasselbe Modell innerhalb der EU erlauben. Etwa 120 spezialisierte Importeure vermitteln deutschen Autok\u00e4ufern preiswerte Autos aus EU-Mitgliedsstaaten. 15 bis 20 Prozent der Neuzulassungen sollen solche Importe sein. Preisunterschiede in verschiedenen Staaten werden dabei ausgenutzt. Beispielsweise erhebt D\u00e4nemark bei der Zulassung eine Registrierungsabgabe von etwa 180 % pro Auto. Ausl\u00e4ndische Autok\u00e4ufer m\u00fcssen nur den Nettopreis zahlen und in ihrem Heimaltland die Umsatzsteuer zahlen, in Deutschland 19 Prozent. So sind f\u00fcr einen deutschen Autok\u00e4ufer, der seinen Wagen \u00fcber einen Importeur bestellt, Einsparungen von mehr als 40 Prozent gegen\u00fcber einem Modell des deutschen Marktes m\u00f6glich.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Auch Autofahrer B. Gech (Name ge\u00e4ndert) bestellte sich \u00fcber einen deutschen Importeur  am 8.5.2017 einen VW Tiguan COMFORTLINE 1,4 110 KW ACT in Tschechien. Sechs Monate lief nichts, dann fand der deutsche Importeur einen polnischen H\u00e4ndler. Dort bekommt er als neuen Liefertermin: 1.2.18. Seine R\u00fcckfrage ergibt: \u201cProduktionsdatum nicht geplant\u201d. Gech: \u201cF\u00fcnf Monate ging nichts, dann alles rasend schnell\u201d. Gech schreibt an VW und die Generaldirektion Wettbewerb in Br\u00fcssel. Als er den polnischen H\u00e4ndler \u00fcber seine Ma\u00dfnahmen Richtung EU informierte, l\u00e4uft es pl\u00f6tzlich: Der Tiguan geht bei VW in die Planung. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Gech recherchierte selbst und h\u00e4lt es f\u00fcr denkbar, dass \u201cman bei VW die deutschen Adressen herausfiltert\u201d. Erkennt man im Ausland, dass der Besteller eine deutsche Adresse hat, rutscht er aus der Produktion heraus. Dies kritisiert auch das Europ\u00e4ische Verbraucherzentrum in Kehl: \u201cKunden aus dem Ausland wird der Verkauf in der Praxis immer noch verweigert\u201d. So wie einem einem Autok\u00e4ufer, der seinen Wagen selbst reimportieren wollte. Ein H\u00e4ndler verweigerte den Vertragsabschluss, als der K\u00e4ufer den deutschen Personalausweis vorlegte. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Beweisen lassen sich die Eingriffe von Autoherstellern kaum, doch sind die Methoden bekannt. \u201cAus Sicht der Autohersteller\u201d beliefert man nur autorisierte Vertragsh\u00e4ndler, die nicht an ausl\u00e4ndische Endkunden weiterverkaufen d\u00fcrfen. Nach EU-Recht ist es verboten, die St\u00fcckanzahl pro Land zu limitieren. So erhalten d\u00e4nische H\u00e4ndler oft nur geringen St\u00fcckzahlen, die f\u00fcr ihre Kundschaft ausreichen. Sie sind bem\u00fcht, einheimische K\u00e4ufer zu bedienen und \u00fcber Servicevertr\u00e4ge zu binden.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Dies trifft auch vermehrt f\u00fcr den osteurop\u00e4ischen Reimportmarkt zu. \u201cUns liegen Beschwerden vor, dass Porsche Slovakia den Export von Neuwagen der Marke Seat unterbindet\u201d, erkl\u00e4rt der Bundesverband freier Kfz-Importeure (BfI). Die autorisierten Vertragspartner w\u00fcrden wohl vom Generalimporteur nachdr\u00fccklich angehalten, Seat-Modelle nicht zu exportieren. So haben Importeure \u201cBeispiele der Spielchen von VW\u201d mit der Diskriminierung deutscher K\u00e4ufer im europ\u00e4ischen Ausland. \u201cUns wurden drei zugesagte Seat Leon, Alteca und Ibiza aus der Bestellung gestrichen\u201d, klagt ein Importeur. Damit handele man  entgegen der geltenden Gesetze. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Das wei\u00df man auch bei der Generaldirektion Wettbewerb in Br\u00fcssel. Dort beobachtet man zwar das Tun der Automobilhersteller \u201cHT 564 &#8211; Volkswagen &#8211; Beschwerde wegen Diskriminierung durch VW bei Autokauf\u201d kontinuierlich, \u201caus Vertraulichkeitsgr\u00fcnden k\u00f6nnen wir \u00fcber den Status von idividuellen Vorg\u00e4ngen leider nicht berichten\u201d erkl\u00e4rt die Generaldirektion Wettbewerb der EU. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Dies hilft den deutschen Importeuren wenig. Offiziell begr\u00fcndet Generalimporteur Porsche Slovakia die Absage mit der fehlenden Homologation der Fahrzeuge, dem sogenannten WLTP, der ab dem 1.9.2018 gilt.  Wenig glaubhaft findet der Verband der freien Importeure, denn die Homologation ist schon seit Jahren bekannt.  Dies spr\u00fcen derzeit auch Kunden in ganz Deutschland. Derzeit werden Fahrzeuge auf dem leeren Berliner Flughafen geparkt, weil man die rechtzeitige WLTP-Homologation verschlafen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Foto &#8211; Copyright \u00a9 M 93 \/ Wikimedia Commons \/ CC BY-SA 3.0 (DE)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9.1.2018 &#8211; Droht die Wiederholung eines Skandals? Schon Anfang der neunziger Jahre waren Autos aufgrund der schwachen Lira in Italien um rund ein Drittel billiger. Also reimportierten K\u00e4ufer so viele Neuwagen, dass der Absatz in Italien sp\u00fcrbar sank. 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