{"id":3114,"date":"2020-11-07T13:24:58","date_gmt":"2020-11-07T12:24:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=3114"},"modified":"2024-03-30T06:21:48","modified_gmt":"2024-03-30T06:21:48","slug":"3114","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=3114","title":{"rendered":"Mehr R\u00e4der, weniger Sicherheit"},"content":{"rendered":"<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1571 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.autolook.de\/wp-content\/uploads\/AK-VI-Pedelec-10029-150x120.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"120\" \/>\u00a0 \u00a0Corona beschleunigt die Verkehrswende:<\/h3>\n<p>Autofahrer m\u00fcssen Fahrspuren abgeben, Fu\u00dfg\u00e4nger und Radfahrer bekommen mehr Platz. Viele Umsteiger von Bussen und Bahnen sowie die Abstandsvorgaben zur Covid-19-Infektionsgefahr erfordernzus\u00e4tzliche Radwege. Nach dem Ummarkieren von Autospuren zu provisorischen Radspuren <!--more-->entstehen in vielen Gro\u00dfst\u00e4dten sogenannte Pop-up-Bikelanes. Experten warnen: Steigt der Radverkehr zu schnell, k\u00f6nnen sich andere Verkehrsteilnehmer nicht schnell genug darauf einstellen &#8211; die Unfallzahlen steigen.<\/p>\n<p>&#8222;Sicherheit in der Masse&#8220;<br \/>\nIm Gegensatz zu allgemein sinkenden Unfallzahlen zeigt die Statistik: Seit 2010 verungl\u00fccken j\u00e4hrlich zwischen 350 und 400 Radfahrer t\u00f6dlich; im letzten Jahr gar 454. Politiker und St\u00e4dteplaner wollen aber m\u00f6glichst viel Radverkehr in die Stadt bringen, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Ihre Hypothese: \u201cSafety in Numbers\u201d (Sicherheit in der Masse): Autofahrer sind st\u00e4ndig von Radfahrern umgeben und fahren deshalb vorsichtiger. Unfallforscher haben aber bedenken. \u201eDie These der \u2018Sicherheit in Zahlen\u2019 l\u00e4sst sich f\u00fcr deutsche Radst\u00e4dte nicht belegen\u201c, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. \u201cAuch in den Niederlanden oder in klassischen Fahrradst\u00e4dten haben wir hohe Unfallzahlen mit verletzten und get\u00f6teten Radfahrern\u201d.<\/p>\n<p>Unfallzahlen sollten sinken<br \/>\nOb mehr Fahrradfahrer in der Stadt tats\u00e4chlich die Unfallzahlen reduzieren, untersuchte Verkehrsplaner Christian Holz-Rau von der TU Dortmund. Er analysierte die statistischen Unfalldaten von sechs Gro\u00dfst\u00e4dten \u00fcber mehrere Jahre. Zur Ermittlung des Unfallrisikos wertete sein Team das Verkehrsverhalten von Radfahrern und Fu\u00dfg\u00e4ngern aus, sowie den Pendlerverkehr. Demnach sind M\u00fcnster, Bremen und Hannover St\u00e4dte mit hohem Radverkehr. Dort m\u00fcssten die Unfallzahlen eigentlich geringer sein als in St\u00e4dten mit weniger Radverkehr wie D\u00fcsseldorf, Dresden oder Frankfurt\/Main. Ein Safety-in-Numbers-Effekt durch zunehmenden Radverkehr sei nicht zu belegen, lautet das Ergebnis. \u201eWir sind aber in der Verpflichtung, verst\u00e4rkt etwas f\u00fcr die Sicherheit zu tun, da der Radverkehr in vielen St\u00e4dten bereits vor Corona zugenommen hat\u201c, erkl\u00e4rt Professor Holz-Rau.<\/p>\n<p>Corona-Gefahrenlagen<br \/>\nKnapp 20 Prozent der Deutschen stiegen in der Coronakrise von Auto oder \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln auf das Fahrrad um. Stadt- und Kommunalpolitiker versuchen vermehrt aufgrund der \u201cCorona-Gefahrenlage\u201d &#8211; parallel zu beschlossenen Radentscheiden &#8211; den knappen Verkehrsraum mit Radfahrern zu f\u00fcllen. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) macht Druck und hat mehr als 200 St\u00e4dte aufgefordert, \u201ceine beschleunigte Umwidmung von Verkehrsfl\u00e4chen in Fahrrad-Stra\u00dfen und Pop-Up-Radwege\u201d vorzunehmen.<\/p>\n<p>Pop-Up-Bikelane<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich lassen sich solche tempor\u00e4re Provisorien einfach wie eine Baustelle einrichten. Es braucht nur eine politische und verwaltungsrechtliche Entscheidung, die dann ein Markierungstrupp umsetzt. Umgebaut wird nichts, ein gelber Anstrich markiert den Radweg. Preiswert sind sie allemal: Ein Kilometer Corona-Radweg einzurichten, kostet in Berlin rund 10.000 Euro &#8211; etwa ein Viertel dessen, was allein die Planung eines \u00fcblichen Radwegs ausmacht. \u201cIch halte Pop-up-Bikelanes allenfalls kurzfristig f\u00fcr eine M\u00f6glichkeit, mittelfristig muss ein geordneter Planungsprozess her, in dem auch das Unfallgeschehen untersucht wird\u201d, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann.<\/p>\n<p>E-Scooter und Pedelec<br \/>\nZus\u00e4tzlich mischten sich vermehrt E-Scooter- und Pedelecfahrer unter den Fahrradverkehr. Allein im letzten Jahr wurden bundesweit fast drei Millionen Fahrr\u00e4der verkauft, dazu 1.360.000 Millionen E-Bikes. Viele Berufst\u00e4tige steigen aufs Fahrrad um. \u00dcber eine halbe Million Arbeitnehmer nutzen mittlerweile betriebliches Leasing, beispielsweise von Jobrad. Der Arbeitgeber least &#8211; \u00fcberwiegend E-Bikes &#8211; und \u00fcberl\u00e4sst die R\u00e4der beruflich und privat den Mitarbeitern.<\/p>\n<p>Fahrradstadt Frankfurt<br \/>\nIn Frankfurt wuchs seit 2013 der Fahrradanteil am Verkehr um 58 Prozent. Die t\u00e4glich gefahrenen Kilometer verdoppelten sich. Im gleichen Zeitraum zogen mehr als 100.000 Menschen an den Main, mit ihnen rund 50.000 Autos. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) r\u00e4umt ein: \u201cDer Platz auf den Stra\u00dfen muss angesichts der ver\u00e4nderten Nutzung umverteilt werden &#8211; weniger f\u00fcr Autos und mehr f\u00fcr Radler\u201d. So sollen 45 Kilometer neue Radwege entstehen. Hauptstra\u00dfen erhalten Fahrradspuren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert mehr Corona-Radwege; die Stadtverwaltung lehnt ab. \u201cWir setzen nicht auf Pop-Up-Bikelanes, sondern auf eine dauerhafte und gute Radverkehrsinfrastruktur\u201d, erkl\u00e4rt Stefan L\u00fcdecke, Leiter der Stabsstelle Radverkehr. Beispielsweise m\u00fcssten Ampelschaltungen und Parkpl\u00e4tze angepasst werden.<\/p>\n<p>Radfahrer gef\u00e4hrdet<br \/>\nWas f\u00fcr eine Gro\u00dfstadt wie Frankfurt mehr Radverkehr bedeutet, hat auch Christian Holz-Rau analysiert. Seine Berechnung ergibt: Doppelt so viel Fahrradverkehr im Citybereich f\u00fchrt zu etwa zehn Prozent weniger Kraftfahrzeugaufkommen. Dies reduziere die Autounf\u00e4lle um neun Prozent. \u201eGleichzeitig verdoppeln sich die Unf\u00e4lle im Radverkehr\u201d, stellt der Wissenschaftler fest. Denn schlie\u00dflich bleibe der Pendler- sowie der G\u00fcter- und Wirtschaftsverkehr in die Mainmetropole in etwa gleich. \u201eDer Radverkehr wird nicht mehr auf das Niveau zur\u00fcckfallen, das er vor der Corona-Pandemie hatte\u201c, ist sich Holz-Rau sicher.<\/p>\n<p>Noch mehr Fahrr\u00e4der<br \/>\nDass der Umstieg auf das Fahrrad kein Strohfeuer ist, stellen auch Fachh\u00e4ndler derzeit fest. Bei Beratungs-, Probefahrt- und Abholterminen kommt es vermehrt vor den Fahrradl\u00e4den zu Staus und Wartezeiten &#8211; oft sind es Autofahrer, die zum Rad wechseln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0Corona beschleunigt die Verkehrswende: Autofahrer m\u00fcssen Fahrspuren abgeben, Fu\u00dfg\u00e4nger und Radfahrer bekommen mehr Platz. Viele Umsteiger von Bussen und Bahnen sowie die Abstandsvorgaben zur Covid-19-Infektionsgefahr erfordernzus\u00e4tzliche Radwege. 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