{"id":65,"date":"2011-07-22T15:43:08","date_gmt":"2011-07-22T13:43:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.emo-auto.de\/blog\/?p=65"},"modified":"2011-07-22T15:43:08","modified_gmt":"2011-07-22T13:43:08","slug":"e-volksauto-kommt-aus-aachen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=65","title":{"rendered":"E-Volksauto kommt aus Aachen"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland will zum Leitanbieter Elektromobilit\u00e4t werden und ger\u00e4t immer mehr unter Druck: Die chinesischen Programme, sowie die gro\u00dfen St\u00fcckzahlen japanischer Hybridfahrzeughersteller seien \u201eeine ernste Gefahr beziehungsweise ernste Konkurrenz f\u00fcr den deutschen Anspruch\u201c, res\u00fcmierte die Nationale Plattform Elektromobilit\u00e4t (NPE) in ihrem ersten Zwischenbericht.<\/p>\n<p>Mit einem radikalen Umdenken, an dessen Ende revolution\u00e4re Werkstoffe und neue Produktionsprozesse stehen sollen, entwickelt dagegen ein Konsortium aus Wissenschaft und Industrie in Aachen ein v\u00f6llig neues Volks-Elektroauto &#8211; f\u00fcr die Gro\u00dfserie.<\/p>\n<p>Mit neuen Produktionstechnologien und Fahrzeugkonzepten und einem Finanzvolumen von 574 Millionen Euro plant ein Netzwerk aus namhaften mittelst\u00e4ndischen Automobilzulieferern und der RWTH Aachen ein Elektro-Volksauto f\u00fcr den Stadtverkehr, den StreetScooter.<\/p>\n<p>Vertreter der Technischen Hochschule sind beispielsweise das Werkzeugmaschinenlabor (WZL), das Institut f\u00fcr Kraftfahrzeuge (ika), f\u00fcr Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) oder f\u00fcr Elektrische Maschinen (IEM). Die Gesamtentwicklung koordiniert und realisiert die neu gegr\u00fcndete StreetScooter GmbH. Dazu geh\u00f6ren auch die T\u00f6chter StreetScooter Research und Production.net, ein Zusammenschluss von neun kleineren Mittelst\u00e4ndlern aus NRW.<\/p>\n<p>Im StreetScooter ersetzt man nicht nur einfach den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor. &#8222;Die StreetScooter-Produktion weicht von herk\u00f6mmlichen Ans\u00e4tzen ab und setzt auf ein sicheres Leichtbaufahrzeug im Purpose-Design, das von Grund auf neu ist&#8220;, sagt Achim Kampker, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Produktionsmanagement der RWTH und kaufm\u00e4nnischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gesellschaft. Im Gegensatz zum Conversion Design, bei dem ein konventionelles Serienmodell auf Elektroantrieb umger\u00fcstet wird, entwickelt man, wie vor mehr als einhundert Jahren \u00fcblich, ein v\u00f6llig neues Elektrofahrzeug. Neue Antriebsstrangkonzepte sollen ein optimales Packaging erm\u00f6glichen. Achim Kampker ist sich sicher: &#8222;Eine signifikante Kostenreduzierung in H\u00f6he von etwa 30 Prozent ist mit dem Purpose-Design-Ansatz m\u00f6glich.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr die StreetScooter-Fertigung wird das starre Linienkonzept der konventionellen Fahrzeugmontage verlassen: Man fertigt Module, die in umfangreichen Vormontagen hergestellt und in einer schnellen Endmontage auf einer Plattform zusammengef\u00fcgt werden. Aus Vorderwagen, Fahrgastzelle vorne und hinten und Heckmodul sollen sich aus dem Baukasten problemlos bis zu sechs Karosserievarianten fertigen lassen, gestartet wird mit einem StreetScooter-3+1-Sitzer. Von den Ma\u00dfen her liegt das Stadtfahrzeug zwischen Smart Fortwo und Toyota IQ.<\/p>\n<p>Derzeit laufen auf dem Aachener Campus die Arbeiten auf Hochtouren. Bis zur IAA soll ein Prototyp fertig sein, der erste Einblicke in die Technik gew\u00e4hrt und das Design des Elektroautos zeigt. L\u00e4uft alles planm\u00e4\u00dfig, ist 2014 die Serienfertigung mit etwa 10.000 Fahrzeugen geplant \u2013 nach Ansicht von Analysten eine sehr optimistische Prognose. Gro\u00dfe Automobilhersteller sind bewusst nicht am Projekt beteiligt, um die Produktspezifikation frei denken zu k\u00f6nnen. Mit der Markteinf\u00fchrung werde die Hochschule aber aus dem Projekt aussteigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gro\u00dfserie hat die StreetScooter-Gesellschaft schon Partner im Blick, beispielsweise den niederl\u00e4ndischen Autohersteller NedCar, der im 30 Kilometer entfernten Born seine Fertigungsst\u00e4tte hat. Praktisch, denn dort &#8211; dem einzigen niederl\u00e4ndischen Autowerk &#8211; baute einst Mitsubishi Fahrzeuge und Smart den Forfour, heute laufen dort noch Colt und Outlander vom Band.<\/p>\n<p>Spannend die Antwort auf die Preisfrage: &#8222;Nur 5.000 Euro ohne Mehrwertsteuer kostet der StreetScooter bei Gro\u00dfserienfertigung&#8220;, rechnet Produktionsexperte Kampker, &#8222;dazu kommt der Batteriesatz.&#8220; Der soll in einem Leasingverfahren f\u00fcr 8000 Euro angeboten werden. Weitere Modalit\u00e4ten sind noch nicht bekannt.<\/p>\n<p>Die beteiligten Industrieunternehmen investieren nicht nur in Entwicklung und Material, sondern bringen auch Kapital mit und liefern letztlich die fertigen Module f\u00fcr den StreetScooter. Zahlreiche Industriepartner arbeiten in neun LEGs (Lead-Engineering-Groups), die beispielsweise f\u00fcr Karosserie, Sicherheit oder Speichersysteme zust\u00e4ndig sind. Die Speicherzellen f\u00fcr die Batterie kommen vom Spezialisten O.M.T. aus L\u00fcbeck. Das Batteriekonzept sei schon fertig. &#8222;Mit dem aktuellen Stand k\u00f6nnen wir das erreichen, was wir wollen&#8220;, sagt Kampker. Strategischer Partner ist auch die Behr-Hella Thermocontrol (BHTC), verantwortlich f\u00fcr das Klima.<\/p>\n<p>Die w\u00fcrttembergische Wittenstein AG liefert den elektrischen Antriebsstrang. Welche elektromobile Antriebstechnik aus deren Baukasten m\u00f6glich ist, zeigte man k\u00fcrzlich auf der Hannover Messe. Entwicklung, Fertigung und Integration elektrischer Antriebstechnologie scheinen bei Wittenstein weit gereift. Auch die Karosseriespezialisten Kirchhoff und Gedia aus dem Sauerland sind beteiligt, sowie Bielstein mit der Herstellung von Sto\u00dfd\u00e4mpfern und Federungssystemen, Dr\u00e4xlmaier mit dem Bordnetz und ZenTec Automotive mit Kunststoffanbauteilen.<\/p>\n<p>J\u00fcngster Gesellschafter und Spezialist f\u00fcr Vertriebskonzepte ist die Unternehmensgruppe Athlon Car Lease (ACL) aus Meerbusch, die zur niederl\u00e4ndischen Rabobank geh\u00f6rt. Der Autoverleiher wird damit der erste internationale Anbieter von Fahrzeug-Leasing und Elektromobilit\u00e4t. Gerade als Flottenbetreiber kann man \u00fcber eine kurze Haltedauer einen Gebrauchtwagenmarkt f\u00fcr Elektroautos f\u00f6rdern \u2013 und damit ebenfalls die Marktdurchdringung f\u00fcr den StreetScooter.<\/p>\n<p>Daten zur Batterie<\/p>\n<p>Bei einem Fahrzeuggewicht von nur 1.000 Kilogramm ist das Batteriegewicht des StreetScooters auf rund 250 Kilogramm kalkuliert (E-Golf hat 315 kg Batteriegewicht). Je nach Variante m\u00fcssen die Batterien zwischen 11 und 30 Kilowattstunden (kWh) leisten. Die Elektromotoren im Heck leisten entsprechend 30 kW oder 50 kW. Dank des konsequenten Leichtbaus soll dann eine H\u00f6chstgeschwindigkeit von 120 km\/h bei bis zu 130 Kilometer Reichweite m\u00f6glich sein. Grundlage der Berechnung ist das bekannte Mobilit\u00e4tsprofil: Rund 90 Prozent aller Alltagsfahrten sind k\u00fcrzer als 70 Kilometer. 8000 Euro sind f\u00fcr die Batterie kalkuliert. Knapp, wie es scheint, denn Materialkosten, Entwicklung, und Produktion m\u00fcssen erbracht werden. Langzeitwerte zu Lebensdauer oder Wintertauglichkeit bei Elektroautos fehlen noch.<\/p>\n<p>StreetScooter \u2013 So erfolgreich wie Swatch?<\/p>\n<p>&#8222;Mit der Durchschlagskraft, die einst Computerfirmen auf dem Weltmarkt erfolgreich machte, wird sich der StreetScooter etablieren&#8220;, hofft Professor Kampker. Sein Konzept erinnert etwas an die Geschichte des k\u00fcrzlich verstorbenen Nicolas Hayek (Vater des Smart), der mit der Swatch-Uhr Welterfolg erreichte. In den 1970er Jahren, als japanische Unternehmen die Welt mit billigen Quarzuhren \u00fcberschwemmten und damit den Markt f\u00fcr Analoguhren bedrohten, machte sein Konzept einer vollintegrierten Produktionstechnik f\u00fcr unterschiedliche Gr\u00f6\u00dfen und Funktionen die Swatch-Uhr m\u00f6glich &#8211; die Swatch-Group ist heute der gr\u00f6\u00dfte Uhrenkonzern der Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland will zum Leitanbieter Elektromobilit\u00e4t werden und ger\u00e4t immer mehr unter Druck: Die chinesischen Programme, sowie die gro\u00dfen St\u00fcckzahlen japanischer Hybridfahrzeughersteller seien \u201eeine ernste Gefahr beziehungsweise ernste Konkurrenz f\u00fcr den deutschen Anspruch\u201c, res\u00fcmierte die Nationale Plattform Elektromobilit\u00e4t (NPE) in ihrem ersten Zwischenbericht. 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