{"id":990,"date":"2011-02-09T20:01:28","date_gmt":"2011-02-09T19:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/emo-bil.de\/?p=990"},"modified":"2011-02-09T20:01:28","modified_gmt":"2011-02-09T19:01:28","slug":"herzschlag-ueberwachung-waehrend-fahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.autolook.de\/?p=990","title":{"rendered":"Herzschlag-\u00dcberwachung w\u00e4hrend der Fahrt"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">\u201eDarf ich mit einer Herzerkrankung oder einem altersschwachen Herz noch hinters Steuer?\u201c, eine Frage, die weder Mediziner, Politiker noch Statistiker zuverl\u00e4ssig beantworten k\u00f6nnen. Die Versicherungswirtschaft z\u00e4hlte 2009 zwar rund 200 schwere Verkehrsunf\u00e4lle als Folge von Bewusstlosigkeit oder Herzinfarkt am Steuer, andere Statistiken gehen aber von mehr als 4.000 aus. Trotzdem ist der \u201eHerzinfarkt am Steuer\u201c ein seltenes Ereignis, darin sind sich Unfallforscher einig. Andererseits fordert der demografische Wandel L\u00f6sungen, denn immer mehr \u00e4ltere Autofahrer &#8211; h\u00e4ufig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen \u2013 sind auf den Stra\u00dfen unterwegs.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach verkehrsmedizinischen Untersuchungen steigen bei Stress die Herzfrequenz und der Blutdruck. Nach Auswertung des Statistischen Bundesamtes gelten Stress oder M\u00fcdigkeit als wesentliche Faktoren f\u00fcr Fehleinsch\u00e4tzungen, die dann Ursache f\u00fcr etwa die H\u00e4lfte aller Verkehrsunf\u00e4lle sind. Was liegt also n\u00e4her, als fahrdynamische Parameter wie beispielsweise die Lenkwinkel-Messung und physiologische Stresssignale wie die Herzrate rechtzeitig zu interpretieren, um damit Unf\u00e4llen vorzubeugen? Denn Autofahrer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein um 23 Prozent h\u00f6heres Unfallrisiko.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In Aachen hat der Philips Lehrstuhl f\u00fcr medizinische Informationstechnik der RWTH gemeinsam mit dem europ\u00e4ischen Ford Forschungszentrum ein Mess- und Analysesystem zur Herzfrequenz entwickelt und in einen Autositz integriert. So wie Matten zum ber\u00fchrungslosen Messen von Puls und Blutdruck bei bettl\u00e4gerigen Patienten eingesetzt werden, will Ford mit kapazitiven Elektroden in der R\u00fcckenlehne den Autofahrer \u00fcberwachen. Pim van der Jagt, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Ford Forschungszentrums: \u201eMit unserem System lassen sich Herzrhythmusst\u00f6rungen, insbesondere das Kammerflimmern, sowie ein drohender Infarkt oder auch ein vorausgegangener Infarkt zuverl\u00e4ssig erfassen.\u201c Solche biologische Signale erkennt man auf einem Elektrokardiogramm (EKG).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Heart Rate Monitoring Seat erfassen sechs Sensoren die Herzfrequenz kontaktlos. Kapazitive Sitzelektroden (inklusive Kondensator und Signalverarbeitungssoftware) sind dazu in der R\u00fcckenlehne integriert. Bei Anzeichen von Herzrhythmusst\u00f6rungen beim Fahrer oder einem Infarkt, erfolgt ein Notruf und die Daten k\u00f6nnen direkt zum Rettungsdienst \u00fcbertragen werden. Forschungschef Pim van der Jagt: \u201eVerliert der Autofahrer nach einer Attacke die Kontrolle \u00fcbers Fahrzeug, k\u00f6nnte zuk\u00fcnftig in Verbindung mit aktiven Sicherheitssystemen sogar das Fahrzeug sicher zur Seite gelenkt und angehalten werden.\u201c Um zu testen, wie zuverl\u00e4ssig solche Messungen im realen Fahrbetrieb funktionieren, integrierten die Ingenieure das System in einen Ford S-MAX. 60 Probanden lie\u00dfen im Fahrersitz Messungen \u00fcber sich ergehen, ausgew\u00e4hlte Autofahrer wurden dann auf Stadt- und Landstrecken geschickt. Bei 95 Prozent lie\u00df sich zuverl\u00e4ssig ein EKG erfassen, durch die Kleidung hindurch. Bei einem herzkranken Autofahrer erkannte es sogar die dauerhaften Herzrhythmus-St\u00f6rungen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dabei zeigte sich auch, dass bei Autobahnfahrten das System sehr zuverl\u00e4ssig arbeitet. Anders im Stadtverkehr: Schlagl\u00f6cher oder gr\u00f6\u00dfere Lenkbewegungen beeinflussten die Messungen, waren aber dennoch akzeptabel. Mit Beschleunigungssensoren auf der R\u00fcckseite der Elektroden lassen sich solche Messfehler einschr\u00e4nken. Und je nachdem welche Kleidung die Autofahrer trugen, variierten die Ergebnisse. Ein- oder zweilagige Baumwollbekleidung scheint optimal, Polyester, Seide oder Mischgewebe weniger. \u201eDie Elektroden m\u00fcssen noch optimiert werden, beispielsweise mit Textilsensoren\u201c, erkl\u00e4rt Pim van der Jagt, \u201edenn K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und Lage der Herzachse des Fahrers k\u00f6nnten Messwerte verf\u00e4lschen\u201c. Er geht davon aus, dass in etwa f\u00fcnf Jahren die Marktreife erreicht sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12.0pt; font-family: 'Times New Roman'; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA;\">Auch andere Automobilhersteller und Forschungsinstitute besch\u00e4ftigen sich mit der pr\u00e4ventiven Messung. Im Projekt &#8222;Smart-Senior &#8211; Intelligente Dienste und Dienstleistungen f\u00fcr Senioren&#8220; entwickelt beispielsweise BMW einen Nothalte-Assistenten, der das Auto sicher zum Fahrbahnrand hin abbremst. Und mit dem Forschungsprojekt \u201eInsitex\u201c, an dem Daimler beteiligt ist, sollen auch Sensoren direkt in Textilien integriert werden und dann Biosignale wie EKG, Atmung oder Hauttemperatur erfassen. Die Miniaturisierung der Elektronik und intelligente Materialen erm\u00f6glichen viele Anwendungen im Auto. M\u00f6glich w\u00e4re auch ein Einsatz im Lenkrad: Legt der Fahrer seine H\u00e4nde aufs Steuer, erfasst die Elektronik die Herzfrequenz. Mit Ma\u00dfnahmen wie Klimaanpassung oder aktivem Massagesitz k\u00f6nnte dann eine Stresssituation gelindert werden. Bei Daimler denkt man auch \u00fcber den \u201eArzt an Bord\u201c nach: Legt ein Insasse die Hand auf den T\u00fcrgriff, erh\u00e4lt er ein kostenloses EKG.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDarf ich mit einer Herzerkrankung oder einem altersschwachen Herz noch hinters Steuer?\u201c, eine Frage, die weder Mediziner, Politiker noch Statistiker zuverl\u00e4ssig beantworten k\u00f6nnen. Die Versicherungswirtschaft z\u00e4hlte 2009 zwar rund 200 schwere Verkehrsunf\u00e4lle als Folge von Bewusstlosigkeit oder Herzinfarkt am Steuer, andere Statistiken gehen aber von mehr als 4.000 aus. 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