Tag Archives: Ford

Terrorverdacht in Autoindustrie

Sicherheitsmaßnahmen nach TerrorwarnungBetriebe müssen ihre Mitarbeiter und Kunden mit Terrorlisten abgleichen. Dies ist in zwei EU-Verordnungen geregelt, die zur Durchsetzung von Embargos und zur Terrorismusbekämpfung entsprechende Sanktionslistenbeinhalten. So überprüft auch Ford seine Mitarbeiter auf Terrorverdacht und gleicht die Belegschaftsdaten mit entsprechenden Continue reading

Modernste Technik im Fiesta

Fiesta-Fahrer sollen künftig mit einer einfachen Abstandsregelung sicher und entspannt reisen. Statt der aufwändigen Umfelsensorik einer adaptiven Geschwindigkeitsregelung (ACC) setzen Ingenieure des Ford Forschungszentrums in Aachen auf eine Abstandsregelung-Light. Beim Projekt „Follow the leader“ sucht sich der Fiesta-Fahrer auf der Continue reading

Coca Cola meets Ford

Coca-Cola-Ford-Fusion-InterieurDie umweltfreundliche Herstellung von Coca Cola-Kunststoffflaschen nutzt jetzt erstmals auch ein Automobilhersteller. Im neuen Plug-in-Hybrid Ford Fusion Energi wurden Teile des Interieurs ähnlich wie die Coke-Flaschen hergestellt. Schon 2009 gelang es dem Getränkehersteller mit der sogenannten PlantBottle-Technology bis zu 30 Prozent Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr für die Continue reading

Herzschlag-Überwachung während der Fahrt

„Darf ich mit einer Herzerkrankung oder einem altersschwachen Herz noch hinters Steuer?“, eine Frage, die weder Mediziner, Politiker noch Statistiker zuverlässig beantworten können. Die Versicherungswirtschaft zählte 2009 zwar rund 200 schwere Verkehrsunfälle als Folge von Bewusstlosigkeit oder Herzinfarkt am Steuer, andere Statistiken gehen aber von mehr als 4.000 aus. Trotzdem ist der „Herzinfarkt am Steuer“ ein seltenes Ereignis, darin sind sich Unfallforscher einig. Andererseits fordert der demografische Wandel Lösungen, denn immer mehr ältere Autofahrer – häufig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – sind auf den Straßen unterwegs.

Nach verkehrsmedizinischen Untersuchungen steigen bei Stress die Herzfrequenz und der Blutdruck. Nach Auswertung des Statistischen Bundesamtes gelten Stress oder Müdigkeit als wesentliche Faktoren für Fehleinschätzungen, die dann Ursache für etwa die Hälfte aller Verkehrsunfälle sind. Was liegt also näher, als fahrdynamische Parameter wie beispielsweise die Lenkwinkel-Messung und physiologische Stresssignale wie die Herzrate rechtzeitig zu interpretieren, um damit Unfällen vorzubeugen? Denn Autofahrer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein um 23 Prozent höheres Unfallrisiko.

In Aachen hat der Philips Lehrstuhl für medizinische Informationstechnik der RWTH gemeinsam mit dem europäischen Ford Forschungszentrum ein Mess- und Analysesystem zur Herzfrequenz entwickelt und in einen Autositz integriert. So wie Matten zum berührungslosen Messen von Puls und Blutdruck bei bettlägerigen Patienten eingesetzt werden, will Ford mit kapazitiven Elektroden in der Rückenlehne den Autofahrer überwachen. Pim van der Jagt, Geschäftsführer des Ford Forschungszentrums: „Mit unserem System lassen sich Herzrhythmusstörungen, insbesondere das Kammerflimmern, sowie ein drohender Infarkt oder auch ein vorausgegangener Infarkt zuverlässig erfassen.“ Solche biologische Signale erkennt man auf einem Elektrokardiogramm (EKG).

Im Heart Rate Monitoring Seat erfassen sechs Sensoren die Herzfrequenz kontaktlos. Kapazitive Sitzelektroden (inklusive Kondensator und Signalverarbeitungssoftware) sind dazu in der Rückenlehne integriert. Bei Anzeichen von Herzrhythmusstörungen beim Fahrer oder einem Infarkt, erfolgt ein Notruf und die Daten können direkt zum Rettungsdienst übertragen werden. Forschungschef Pim van der Jagt: „Verliert der Autofahrer nach einer Attacke die Kontrolle übers Fahrzeug, könnte zukünftig in Verbindung mit aktiven Sicherheitssystemen sogar das Fahrzeug sicher zur Seite gelenkt und angehalten werden.“ Um zu testen, wie zuverlässig solche Messungen im realen Fahrbetrieb funktionieren, integrierten die Ingenieure das System in einen Ford S-MAX. 60 Probanden ließen im Fahrersitz Messungen über sich ergehen, ausgewählte Autofahrer wurden dann auf Stadt- und Landstrecken geschickt. Bei 95 Prozent ließ sich zuverlässig ein EKG erfassen, durch die Kleidung hindurch. Bei einem herzkranken Autofahrer erkannte es sogar die dauerhaften Herzrhythmus-Störungen.

Dabei zeigte sich auch, dass bei Autobahnfahrten das System sehr zuverlässig arbeitet. Anders im Stadtverkehr: Schlaglöcher oder größere Lenkbewegungen beeinflussten die Messungen, waren aber dennoch akzeptabel. Mit Beschleunigungssensoren auf der Rückseite der Elektroden lassen sich solche Messfehler einschränken. Und je nachdem welche Kleidung die Autofahrer trugen, variierten die Ergebnisse. Ein- oder zweilagige Baumwollbekleidung scheint optimal, Polyester, Seide oder Mischgewebe weniger. „Die Elektroden müssen noch optimiert werden, beispielsweise mit Textilsensoren“, erklärt Pim van der Jagt, „denn Körpergröße und Lage der Herzachse des Fahrers könnten Messwerte verfälschen“. Er geht davon aus, dass in etwa fünf Jahren die Marktreife erreicht sein könnte.

Auch andere Automobilhersteller und Forschungsinstitute beschäftigen sich mit der präventiven Messung. Im Projekt “Smart-Senior – Intelligente Dienste und Dienstleistungen für Senioren” entwickelt beispielsweise BMW einen Nothalte-Assistenten, der das Auto sicher zum Fahrbahnrand hin abbremst. Und mit dem Forschungsprojekt „Insitex“, an dem Daimler beteiligt ist, sollen auch Sensoren direkt in Textilien integriert werden und dann Biosignale wie EKG, Atmung oder Hauttemperatur erfassen. Die Miniaturisierung der Elektronik und intelligente Materialen ermöglichen viele Anwendungen im Auto. Möglich wäre auch ein Einsatz im Lenkrad: Legt der Fahrer seine Hände aufs Steuer, erfasst die Elektronik die Herzfrequenz. Mit Maßnahmen wie Klimaanpassung oder aktivem Massagesitz könnte dann eine Stresssituation gelindert werden. Bei Daimler denkt man auch über den „Arzt an Bord“ nach: Legt ein Insasse die Hand auf den Türgriff, erhält er ein kostenloses EKG.

Elektronische Nase überwacht Innenluft

Man sitzt im neuen Wagen, freut sich, genießt den «Neuwagengeruch». Doch sollte er nicht wochen- oder gar monatelang anhalten, denn irgendwann «stinkt es» einem im wahrsten Sinne des Wortes. Dann müssen sich die Automobilhersteller mit diesen «Geruchsreklamationen» befassen.

Spezialisten suchen Geruch-Ursachen

Bei Ford etwa fünfmal im Jahr. Ein Spezialistenteam geht dann dem Geruch nach und entdeckt dabei teils exotische Fälle: beispielsweise ein verwestes Mäusenest hinter der Armaturentafel. Doch sind die Gründe insgesamt vielfältig. Zumeist sind es neue Werkstoffe, die zwar Gewichts- und Verarbeitungsvorteile bieten, aber aufdringlich riechen.

Jörg Saßmannshausen, Leiter «Chemische Analytik» bei Ford: «Ein gewisses Maß an Neuwagengeruch akzeptieren die Kunden, ja wünschen es sogar.» Deshalb müssen die Gerüche genau definiert sein und bestimmte Prüfmethoden erfüllen.

Termindruck verhindert “Auslüften”

Auf der VDI- Tagung «Kunststoffe im Automobil» berichtete Jörg Saßmannshausen über die Geruchsforschung. In der Vergangenheit lagerten Teile oft mehrere Tage, bis sie im Auto verbaut wurden – Zeit genug, um richtig auszulüften. Heute stehen die Teile «just-in-time» in Fabriknähe und werden mit nur wenigen Stunden Vorlaufzeit direkt ans Montageband geliefert – manchmal noch «warm». Jörg Saßmannshausen: «Zum Auslüften fehlt die Zeit, und der Geruch solcher Teile gibt leider allzu häufig Grund zu Reklamationen.»

Spezialrechner vergleichen Gerüche

Die Ford-Ingenieure experimentieren derzeit mit einer Technik, die unter anderem in der Nahrungsmittel-Industrie als «elektronische Nase» eingesetzt wird. Sie nutzt elektrochemische Sensoren, um gasförmige Gerüche und Stoffe zu vergleichen. Im Zentrallabor der Ford-Werke in Köln-Niehl steht der «eNOSE 4000», ein Rechner, der mit dem so genannten «PRECEPT II-Autosampler» arbeitet. Hersteller dieser 100 000 Mark teuren Super-Geruchsanlage ist die englische Firma Neotronics.

Die Grundausstattung mit zwölf leitfähigen Polymer-Sensoren beinhaltet insgesamt 48 Gläser mit Proben. Aus diesen entnehmen unterschiedliche Sensoren in einer Messkammer Proben und erstellen – je nach elektrischem Widerstand – den speziellen «Fingerabdruck».

Leder hat anspruchsvollen Geruch

Beispiel Leder: Etliche Sorten werden in der Fertigung von Autositzen verwendet. Sie weisen zum Teil nur geringe Unterschiede in der Qualität auf. Die «elektronische Nase» registriert nun, ob ein bestimmtes Leder für die Sitzfertigung geeignet ist und ob der Produktionsprozess bei den Lieferanten konstant ist. Schwierig ist auch der Umgang mit Akustik-Dämmmatten, die mit Phenol- und Formaldehydharz gebunden sind. Ein anderes Beispiel: Baumwoll-Rohware. Viele Faktoren beeinflussen ihre Geruchsqualität. Bei ihrer Untersuchung werden ihre Werte mit gespeicherten Daten guter Ware verglichen. Stimmen sie überein, können die Prüfer das Material freigeben – oder eben nicht.

Geruchsforschung erst am Anfang

Und was bietet die elektronische Sensorik für die Zukunft? Saßmannshausen: «Die Chemosensorik bietet als noch sehr junge Technik ein großes Potential.» Noch steckt die Geruchsforschung aber in den Kinderschuhen und kann auf absehbare Zeit den menschlichen Geruchssinn nicht ersetzen.