Wer schneller fährt, spart Geld!

Unfallforscher sehen eine Gefahr für den Straßenverkehr.  Denn das Modell “Carsharing” verleitet zum Rasen. So rast ein 18-Jähriger mit einem Smart nachts durch Berlin. In einer Kurve verliert er die Kontrolle, überschlägt sich und erfasst einen Fußgänger tödlich. In Köln leihen sich zwei Freunde einen Mini Cooper und einen 1er-BMW aus, veranstalten damit ein Autorennen. Der BMW-Fahrer kommt von der Straße ab, erfasst einen unbeteiligten Radfahrer, der getötet wird. “Die Rasen wie verrückt”, geben Zeugen zu Protokoll, wenn Polizisten Unfälle mit Carharing-Autos aufnehmen. Die Autos gehören Carsharingunternehmen, die ihre Autos auf Zeit vermieten: Car2go mit Smarts und 700.000,  DriveNow mit BMWs und 660.000 Kunden.

Billig-Tarife verführen zum Rasen


So viel wie ein Kasten Bier kostet es, eine Stunde mit einem 1er-BMW  (143PS) forsch durch den Stadtverkehr zu düsen – inklusive Sprit und Versicherung. Selbst wenn man seit der Führerscheinprüfung nicht mehr am Steuer gesessen hat. Im sogenannten Free-Fl­oating (ohne feste Mietstationen) erfolgt eine minutengenaue Abrechnung.

Wer schneller fährt, hat ein erhöhtes Unfallrisiko

Durchschnittstempo 50 statt 40 reduziert die Mietkosten um ein Viertel. “Natürlich können zeitbasierte Modelle dazu verführen, dass man schneller fährt als man sollte”, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Zahlen dazu seien allerdings nicht bekannt. Eine Sonderauswertung der Berliner Polizei über 18- bis 24-jährigen Autofahrer zeigt aber: Im letzen Jahr stiegen in dieser Gruppe die Unfälle mit “nicht angepasster Geschwindigkeit” um fast ein Drittel. Dabei starben 13 Personen – neun  mehr als im Jahr zuvor.

Polizei machtlos

“Wir erkennen eine Tendenz, dass Raser vermehrt Carsharing-Autos für ihre abenteuerlichen Touren nutzen”, sagt Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. Bevor man den eigenen Wagen zu Schrott fahre, miete man sich lieber einen versicherten. “Außerdem lassen sich Autos von Carsharing-Rasern nicht ohne Weiteres  beschlagnahmen, dass weiß die Szene ganz genau”, erläutert Plickert. Problematisch findet die GdP auch, dass Carsharing-Anbieter nur wenig über ihre Neukunden wissen. Eine Art “Schufa” als Auskunftsinstrument über Punkte in Flensburg wäre sinnvoll. Denn Verkehrssünder, die gewohnheitsmäßig gegen Regeln verstoßen, verursachen auch eher Unfälle, ergänzt Unfallforscher Brockmann.