Das Geheimnis hinter den Seniorenunfällen

Eine neue Studie enthüllt:  Ältere Fahrer haben mehr Schwierigkeiten mit der diagonalen Fußbewegung vom Bremspedal zum Gaspedal. Das kann zu schweren Unfällen führen, wenn sie die Pedale verwechseln. Experten raten, das Autofahren im Alter zu reduzieren oder ganz aufzugeben.

Anfang Februar in Stuttgart. Eine 81-jährige Frau erfasst eine Fußgängerin, die gerade die Straße überqueren will. Sie wird schwer verletzt. Die gestresste Autofahrerin hatte das Bremspedal verwechselt und plötzlich Gas gegeben. Keine  Seltenheit: Senioren verursachen seit Jahresbeginn schon mehr als ein halbes Dutzend solcher tragischen Unfälle.

Das Alter macht das Autofahren schwerer. Das zeigt eine neue Studie der japanischen Universität Nagoya. Denn Autofahrer müssen ihre Hände und Füße flexibel koordinieren.  Verantwortlich dafür sind die geistigen Fähigkeiten, die unser Denken steuern. Das Unfallrisiko steigt, wenn sich diese sogenannten exekutiven Funktionen im Alter verschlechtern.

Die Forscher untersuchten die Gehirnaktivitäten von Senioren (Durchschnittsalter 69 Jahre) und  Studenten (21 Jahre) mittels Nahinfrarotspektroskopie. Damit lässt sich der Blutfluss im Gehirn messen. Die Probanden  mussten neu entwickelte Tests zur Hand-Fuß-Koordination absolvieren, die das Bremsen und Beschleunigen in einem Auto simulierten. 

Die Ergebnisse zeigen: Ältere Autofahrer haben längere Reaktionszeiten und langsamere Entscheidungszeiten. Zudem arbeitet der Teil des Gehirns, der für das Denken und das Bremsen wichtig ist, mehr als normal. Ähnlich wie in Situationen,  in denen man sich konzentrieren, entscheiden oder seine Gefühle kontrollieren muss. Ältere Autofahren haben dann Probleme, eine schräge Fußbewegung zwischen den Pedalen auszuführen. Mit der erhöhten Gehirnaktivität wollen sie dies ausgleichen. Was nicht immer gelingt. Beim Bremsen kann das fatal sein: Autofahrer, die Gas- und Bremspedal verwechseln, verursachen oft  schwere Unfälle.

Eine Studie der Technischen Universität München hat die Reaktionszeiten von Senioren beim Bremsen gemessen und mit denen von jüngeren Fahrern verglichen. Ergebnis. Senioren brauchen im Durchschnitt 0,3 Sekunden länger, um auf ein Bremslicht zu reagieren. Bei Tempo 100 verlängert sich der Bremsweg um 8,3 Meter. Die Studie schlägt für Senioren Fahrerassistenzsysteme wie einen Notbremsassistenten vor. Ja, es gibt auch Forschung in Deutschland zu diesem Thema. 

Und die Unfallforschung der Versicherer (UDV) untersuchte die Ursachen und Präventionsmaßnahmen für Unfälle mit Senioren am Steuer. Demnach verwechseln Senioren häufiger als andere Altersgruppen Gas- und Bremspedal – vor allem bei Automatikwagen. Die Studie empfiehlt: Senioren sollten regelmäßig ihre Fahreignung überprüfen lassen.